New Pay auf Bewerberseite oder: Wie definiere ich meine Gehaltsvorstellung auf new-pay-isch?

"Wenn man über Geld spricht, dann geht man schnell an‘s Eingemachte. Und wenn man mit sich selbst in einen Reflexionsprozess über den eigenen Wert für ein Unternehmen geht, dann auch."

Anna-Marie Kühne


Vergütung ist nicht nur ein Thema, dass ich durch meine Mitarbeit bei CO:X fast täglich auf dem (Bild-)Schirm habe, es traf mich in den letzten Wochen und Monaten auch ganz persönlich – bei der Frage nach dem Einstiegsgehalt in ein neues Unternehmen. Neben meiner Arbeit als Mitgestalterin war ich nämlich (ganz offiziell) auf Jobsuche, um mich nach einer erkenntnisreichen und inspirierenden Zeit bei CO:X auf eine neue Lernreise zu begeben. Eine Frage, die sich mir im Zuge meiner Bewerbungen mehr und mehr aufdrängte, war: Wie definiere ich eigentlich meine Gehaltsvorstellung auf new-pay-isch?

 

Puh, diese Frage bereitete mir erst einmal so einige Kopfschmerzen, denn: wenn man über Geld spricht, dann geht man schnell an‘s Eingemachte. Und wenn man mit sich selbst in einen Reflexionsprozess über den eigenen Wert für ein Unternehmen geht, dann auch. Zudem ist die Auseinandersetzung mit Vergütung komplex – so auch beim Einstiegsgehalt: Neben einem bestimmten Betrag X, den ich gerne verdienen möchte für das, was ich bereits und potentiell kann, konnte ich die Unternehmen und Jobrollen schlecht außen vor lassen. Ich stellte mir also nicht nur die Fragen: Was ist meine Ausbildung wert? Als wie wertvoll werden meine bisherigen Erfahrungen gewertet? Was bin ich als der Mensch, der ich bin, wert? Sondern auch: Wie gut oder weniger gut sind die (finanziellen) Umstände der jeweiligen Unternehmen? Wie viel könnten andere in einer vergleichbaren Position verdienen? Wie viel Verantwortung geht mit der jeweiligen Jobrolle einher? Und zu guter letzt: Wie bedingt das eine das andere?

 

Wie sieht nun eine mögliche New-Pay-Antwort aus, wenn mir – unter der Annahme, dass in dem Unternehmen New Pay noch relativ unbekannt ist – die Frage nach meiner Gehaltsvorstellung gestellt wird? Welche Dimensionen und Beispiele von New Pay helfen mir bei der Antwortsuche weiter? Und wie lege ich eine möglichen Betrag X fest? 

 

Ich schaute mir zunächst die definierten Dimensionen von New Pay an und nahm die zwei heraus, die aus Bewerbersicht für mich die höchste Relevanz besaßen:

 

1. Fairness – die zentrale Dimension von New Pay und damit der Wunsch, dass sich die zukünftige Entlohnung fair anfühlt. Dafür ist es erst einmal wichtig, mit sich selbst in Verhandlung zu gehen: Fühlt sich ein Einstiegsgehalt mit dem Betrag X fair für mich an? Soll heißen: Verkaufe ich mich damit nicht unter Wert? Kann ich mit dem Gehalt meine Lebenshaltungskosten decken und darüber hinaus noch etwas ansparen, um z.B. meine Studienkredite zurückzuzahlen? Und gibt es über das Gehalt hinaus „Benefits“, die mir entgegenkommen, wie z.B. ausreichend Urlaub und ein Jobticket? Hinzu kam für mich das Wissen im Hinterkopf, dass Frauen dazu neigen, oftmals „bescheidenere“ Gehaltswünsche zu formulieren. Und auch ich merkte, dass ich trotz oder gerade wegen der ganzen Beschäftigung mit New Pay in den letzten Monaten einen kleinen inneren Kampf mit mir austragen musste zwischen „Verlang nicht zu wenig“ und „Übertreib mal nicht!“.

Hinzu kommt die Perspektive nach außen: Ist das, was ich als Betrag nenne, fair für das jeweilige Unternehmen und die anderen Mitarbeitenden? Und welches Verständnis von Fairness ist in dem jeweiligen Unternehmen vorherrschend?

 

Um sich diesen Fragen mit Antworten anzunähern, brauchte es für mich

 

2. Transparenz - im Sinne von Informationstransparenz, um mit dem Gehaltswunsch nicht ins Blaue hineinzuraten. Es stellte sich für mich schnell heraus, dass dies ein schwieriges Thema ist, denn als BewerberIn kommt man "von außen" nur bedingt an brauchbare Vergütungsinformationen, um sich ein wirklich aussagekräftiges Bild machen zu können. Natürlich kann man in verschiedenen Vergleichsportalen nachschauen, was Vorschlagswerte sind oder man kann mitunter andere fragen, was sie an Einstiegsgehältern in anderen Unternehmen bekommen haben. Das Problem: Man tappt als BewerberIn dabei oft durch einen Nebel aus „Hören-Sagen“ und geringer Vergleichbarkeit. Da kann es sein, dass eine Freundin sagt, dass ein Freund von ihr in einem größeren Unternehmen A mit einem ähnlichen Abschluss für einen ähnlichen Job 50.000 Euro als Einstiegsgehalt bekommen hat. In einem anderen großen Unternehmen B sind es laut Aussagen einer anderen Freundin 15.000 weniger – Insights, die nicht schlecht sind, aber wie kann ich diese Informationen auf ein Unternehmen C, z.B. in einer ganz anderen Branche, übertragen? Vielleicht hilft ein Vergleichsportal weiter, dachte ich. Jein, das tut es nur bedingt. Denn mitunter haben Stellenbezeichnungen (wie in meinem Fall) mittlerweile so individuelle wie ausgefallene Namen, dass Vergleichsportale auch nicht wirklich wissen, was sie damit anstellen sollen. In diesem Fall hat man manchmal Glück (wenn z.B. das Vergleichsportal direkt auf die offene Stellenbeschreibung zugreift) und bekommt einen Schätzwert – der relativ häufig aber auch eine ziemlich große Spanne von bis zu 25.000 Euro aufweisen kann. Oder man hat kein Glück und muss sich überlegen, welche alternative Bezeichnung an die Stelle rankommen könnte.

 

Hmm, wirklich schlauer machte mich das auch alles nicht. Immerhin hatte ich schon mal einen groben Richtwert im Kopf, der sich für mich fair anfühlte. Aber passte dieser auch zu den jeweiligen Unternehmen, bei denen ich mich beworben hatte? Und inwieweit müsste ich ihn abhängig von den jeweiligen Unternehmen und Jobrollen nun nach oben oder unten korrigieren? Da kam mir mit Blick auf die im Buch veröffentlichten Praxisbeispiele zu New Pay eine weitere Idee: Wenn ich als Bewerberin gar nicht alle notwendigen Informationen über die Vergütung einer bestimmten Position in einem Unternehmen zur Verfügung habe, dann äußere ich eben den mit mir selbst ausgehandelten Betrag X als Wunschgehalt und spiele dann den Ball zurück. Mit dieser Lösung fühlte ich mich wohl. Somit lautete meine Antwort auf die Frage nach meiner Gehaltsvorstellung auf new-pay-isch: „Wenn es hier in eurem Unternehmen Wunschgehalt geben würde, dann hätte ich gerne X. Ob dieser Betrag realistisch in euer Gehaltsgefüge passt oder angepasst werden muss, müsst ihr mir zurückmelden.“



Anna-Marie Kühne ist Mitgestalterin und New-Work-Kommunikatorin bei CO:X. Ab November geht sie hauptberuflich neue Wege und widmet sich dann neben New Work und Female Empowerment einem weiteren Herzensthema, nämlich Lernen und digitaler Weiterbildung.



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